Erfolgreicher Umgang mit Veränderung

Dieser Artikel könnte mit einer klassischen Einleitung beginnen, wie man sie in den letzten Jahren in vielen Zeitungen, Zeitschriften oder Blogartikeln liest. Es würden Schlagworte wie VUCA-Welt oder Disruption, Industrie 4.0, Digitalisierung, Globalisierung oder sonstige Megatrends fallen. Und sie würde sich mit Themen wie New Work und die Generationen Y und Silver, Millenials und neue Anforderungen an Arbeit befassen.

Solche Einleitungen zeigen auf, was wir ohnehin schon wissen: Die Welt ist im Wandel und unser Alltag verändert sich. Das wahrzunehmen und sich vor Augen zu führen ist wichtig, denn es schafft die Ausgangsbasis, auf der wir unsere nächsten Schritte planen können. Dies wahrzunehmen hat aber nicht zur Folge, dass wir mit den Veränderungen umgehen– geschweige denn, dass wir diese für uns nutzen können. Darauf kommt es aber an.

„Wollen Sie das Boot rudern oder den Fluss schieben?“

Ganz zu Beginn eine vielleicht desillusionierende Wahrheit: So sehr wir uns auch anstrengen mögen, weder Sie noch ich werden in der Lage sein die Veränderungen der (Arbeits-)Welt aufzuhalten. Vermutlich werden wir es nicht einmal schaffen, deren Lauf maßgeblich zu beeinflussen. Veränderungen gehören zum Leben und aus der heutigen Welt sind sie nicht wegzudenken. Veränderung, Entwicklung, Innovation und Fortschritt gehören einfach dazu. Manchmal initiieren wir diese selbst. Manchmal verlangen andere sie uns ab. So oder so gilt es Veränderungen und Wandel zu akzeptieren.

Aber Achtung! Akzeptieren heißt lediglich hinzunehmen. Akzeptieren heißt nicht „gut finden“. Es ist ganz normal, dass wir uns nicht über alle Entwicklungen freuen und glücklicherweise müssen wir uns auch nicht mit allen Veränderungen auseinandersetzen. Aber es ist sinnvoll, sich klar vor Augen zu führen, welche Veränderungen, welche Megatrends für Sie persönlich besonders relevant sind. Es lohnt sich, sich folgende Frage zu stellen: Wohin wollen Sie Ihr „Boot“ auf dem Fluss des Wandels manövrieren? Wohin soll Ihre Reise führen? Welche Hindernisse begegnen Ihnen auf Ihrem Weg? Und wie können Sie diese umschiffen?

Kopf in den Sand ist keine Lösung

Es ist ein Fakt, dass die Welt sich in Zukunft nicht langsamer drehen wird. Experten sind sich einig: Das Tempo der Entwicklungen hält an oder nimmt sogar zu. Die Augen davor zu verschließen, funktioniert auf Dauer nicht. Es könnte die Gefahr bestehen, dass Sie die Welt nicht wiedererkennen, wenn Sie die Augen das nächste Mal öffnen.

Das ist aber kein Grund in Panik auszubrechen. Denn es ist nie zu spät anzufangen, sich mit den Entwicklungen auseinanderzusetzen und es ist bewältigbar. Die Welle des Wandels muss ihr Boot nicht verschlingen. Denn dank verschiedener wissenschaftlicher Arbeiten wissen wir heute beispielsweise, wie man Veränderungsprozesse erfolgreich(er) gestalten kann.

Es gibt dafür natürlich kein Patentrezept. Das wäre zwar schön, aber ist zu einfach gedacht. Was es hingegen gibt sind allgemeine Erfolgsfaktoren, die man berücksichtigen kann und natürlich können Sie auch von den Erfahrungen anderer Unternehmen lernen.

Es ist allgemein bekannt, dass Veränderungsprozesse besonders dann gelingen, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter die Notwendigkeit der Veränderung wahrnehmen und eine gemeinsame Vision teilen. Natürlich gehört eine genaue Ausgangslagenanalyse, ebenso wie eine detaillierte Betrachtung der Ressourcen und Risiken zu einem erfolgreichen Veränderungsprozess. Und selbstverständlich braucht es ein klares Ziel. Man sollte offen kommunizieren und möglichst fehlerfreundlich agieren. Kurzum: Erfolgreiche Veränderung entsteht durch das rechte Maß an Kontrolle und Freiheit. Sie ist ein feines Wechselspiel zwischen Planung und Flexibilität, Klarheit und Offenheit.

All das trifft wohl auf (fast) jede Veränderung zu. Jedoch ist es bei Weitem keine Anleitung für einen erfolgreichen Umgang mit Veränderung. Wie kann man der sich wandelnden Arbeitswelt also gut begegnen?

Was wir von Bienen lernen können.

Ein schönes Beispiel an dem der Balanceakt im Umgang mit einer sich wandelnden Arbeitswelt deutlich wird, sind selbstorganisierte Teams.

Sie fragen sich, was das mit Bienen zu tun hat? Anders als die meisten wohl glauben und als die Begriffe Bienenkönigin, Arbeiterinnen und Bienenvolk nahelegen, sind Bienen keineswegs hierarchisch organisiert. Die Bienenkönigin ist nicht die Entscheiderin oder Herrscherin des Volkes, sondern für die Fortpflanzung und damit den Erhalt des Volkes verantwortlich. Wohin die Bienen ausschwärmen, um Blütenstaub zu sammeln oder ob der Schwarm die Wärmeproduktion hoch- oder herunterfährt bleibt den Arbeiterinnen selbst überlassen. Diese organisieren sich eigenständig, tauschen Informationen aus und treffen Entscheidungen ganz ohne dabei die Königin einzubeziehen.

Dabei arbeiten alle für das wichtigste Ziel und teilen eine Vision: Den Erhalt des Volkes.

Analog dazu zeichnen sich selbstorganisierte Teams in Unternehmen durch dynamische und interaktive Prozesse zwischen den Teammitgliedern aus. Die Teammitglieder sind selbstverantwortlich, treffen Entscheidungen gemeinsam und kommunizieren offen. Dabei agieren sie komplett ohne Hierarchie. Es gibt keine Führungskraft, sondern höchstens einen Primus inter Pares (lat. der Erste unter Gleichen). Es geht um Verantwortung, Autonomie, Wissensaustausch und darum Vielfalt und Unterschiedlichkeit als Chance zu nutzen.

Eine derart dynamische Struktur kann nur mit einigen klaren Regeln funktionieren. Dabei dürfen jedoch Freiraum und Flexibilität nicht (zu stark) eingeschränkt werden. Durch diese Offenheit befinden sich selbstorganisierte Team stets selbst im Wandel und sind eine gute und flexible Antwort auf eine sich wandelnde Umwelt. Die Organisationsform reduziert Komplexität einerseits (z.B. indem Entscheidungen direkter und ohne Hierarchieebenen zu durchlaufen getroffen werden können) und gleichzeitig stellt sie höhere Anforderungen an das einzelne Teammitglied (z.B. trägt jeder Verantwortung und keiner kann sich einfach auf die Führungskraft verlassen). Wie Sie sehen, sind komplexe Herausforderungen nicht durch simple Lösungen zu bewältigen.

Gerade deshalb können selbstorganisierte Teams eine Antwort auf viele Veränderungen und Entwicklungen sein, denen wir uns durch die sich wandelnde Arbeitswelt gegenübergestellt sehen.

Und auch die Wissenschaft liefert Hinweise darauf, dass Selbstorganisation nützlich ist. Die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen deuten darauf hin, dass selbstgesteuerte Teams zufriedener und motivierter sind. Mehr Vertrauen zueinander haben, besser zusammenarbeiten und ihr Wissen stärker teilen als Teams in hierarchischen Strukturen. Außerdem nehmen sich die Teammitglieder als selbstständiger und autonomer wahr (Wegge, 2004). Darüber hinaus zeigte sich, eine höhere Leistungsfähigkeit – insbesondere bei komplexen Aufgabenstellungen und hoher gegenseitiger Abhängigkeit der Teilaufgaben (Nicolaides et al., 2014). Das heißt, selbstgesteuerte Teams sind in der Lage komplexe Aufgaben sehr gut zu bearbeiten (und sogar besser als klassische Teams das können). Dies zeigt sich subjektiv (in der Wahrnehmung der Teammitglieder) und objektiv (in Produktivität und Verkaufszahlen).

Ist das also die Lösung aller Probleme? Können Sie den komplexen Veränderungsprozessen durch die Einführung selbstorganisierter Teams in Ihrem Unternehmen erfolgreich gegenübertreten?

Die Antwort ist ein entschiedenes Vielleicht. Es ist gut möglich, dass ein höherer Grad an Selbstorganisation die Flexibilität und Agilität in ihrem Unternehmen erhöht. Ebenso ist es denkbar, dass andere Maßnahmen viel erfolgsversprechender sind.

Dieser Beitrag ist damit kein flammendes Plädoyer für selbstorganisierte Teams, sondern soll Ihnen Mut machen sich auf diese Suche nach der passenden Lösung für Ihre Herausforderungen zu begeben. Das ist nämlich keinesfalls ein hoffnungsloses Unterfangen, sondern lohnt sich auf jeden Fall.

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